{"id":3089,"date":"2018-08-01T12:41:58","date_gmt":"2018-08-01T10:41:58","guid":{"rendered":"https:\/\/fernuni.digreb.net\/?p=3089"},"modified":"2019-04-29T11:54:10","modified_gmt":"2019-04-29T09:54:10","slug":"meine-erste-5-0-in-8-jahren-studium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fernuni.digreb.net\/?p=3089","title":{"rendered":"Meine erste 5.0 in 8 Jahren Studium"},"content":{"rendered":"<p>Ich studiere nun schon seit 8 Jahren. Zuerst den Bachelor Informatik, nun bin ich auf der Zielgeraden f\u00fcr den Master in Wirtschaftsinformatik. Wie Ihr dem <a href=\"https:\/\/fernuni.digreb.net\/?p=3074\">letzten Beitrag<\/a> entnehmen konntet, habe ich bei den WiWis ein Seminar belegt, obwohl ich meine Thesis an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Informatik schreiben wollte.<\/p>\n<p>Long Story short: es geht nur Seminar\/Fachpraktikum + Thesis (70 Seiten, Seminar\/Fachpraktikum nicht bewertet, nur Thesis geht in Endnote ein) an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Informatik oder Seminar + Thesis (20 Seiten Seminararbeit + 50 Seiten Thesis, wird beides bewertet und geht in die Endnote ein) bei den Wirtschaftswissenschaftlern.<\/p>\n<p>Nun hatte ich ein Seminar belegt und auch schon meine Seminararbeit abgeliefert. Die Note bekam ich 2 Tage vor Anmeldeschluss im Pr\u00fcfungssystem per Mail mitgeteilt. Besteht man ein Seminar nicht, kann man sich f\u00fcr ein anderes Seminar im n\u00e4chsten Semester anmelden. Wird die Note nicht ins Pr\u00fcfungssystem eingetragen, so ist eine Anmeldung aber nicht m\u00f6glich und mit etwas Pech muss man bis zum n\u00e4chsten Semester warten. Ob die Folgeanmeldung in diesem Fall noch geklappt h\u00e4tte wei\u00df ich nicht. Ich habe nach Bekanntgabe der Note einen anderen Weg eingeschlagen und die Sache nicht weiter verfolgt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich die Gelegenheit genutzt und um ein Feedback-Gespr\u00e4ch gebeten, da meiner Meinung nach die Arbeit gelungen war. Aber man versch\u00e4tzt sich ja doch manchmal, und so war es hilfreich von der Betreuerin eine R\u00fcckmeldung zu bekommen. Aber der Reihe nach.<\/p>\n<p><strong>Organisation<\/strong><\/p>\n<p>Der Terminplan f\u00fcr die ganze Veranstaltung ist relativ eng gesteckt und wird auch ausgereizt. Findet eine Adobe Connect Besprechung um 17 Uhr statt, so ist vor 16:59 Uhr kein Link im Moodle vorhanden. Werden die Themen im Moodle bis sp\u00e4testens f\u00fcr den 21.03 angek\u00fcndigt, so erscheinen sie auch kurz vor dem 22.03.<\/p>\n<p>Am 29.03 erfolgte die Themenvergabe per Mail. Das Expose sollte bis zum 19.04 abgegeben werden. Die Aufgabenstellung umfasst 4 Seiten. Das Thema ist ein Forschungsbeitrag <strong>in Englisch<\/strong> auf 16 eng bedruckten Seiten in kleinster Schrift. Aber Achtung, das ist kein \u00fcbliches Business-Englisch, sondern schon wirklich sehr, sehr anstrengend zu lesen. Obwohl ich in einem Unternehmen arbeite, wo das t\u00e4gliche Doing auf Englisch stattfindet, so habe ich das Lesen aufgegeben und den Beitrag Wort f\u00fcr Wort \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Die Abgabe des Epoxs\u00e9s war terminiert f\u00fcr den 19.04. Was auch gleichzeitig der sp\u00e4teste R\u00fccktrittstermin war. Soll das Thema alleine ausschlaggebend f\u00fcr einen evtl. R\u00fccktritt sein, so kann man den Termin nachvollziehen. Mir scheint ein R\u00fccktrittstermin, der nach dem Feedbackerhalt f\u00fcr das Expos\u00e9 liegen w\u00fcrde, als besser geeignet. So h\u00e4tte man nach dem Feedback noch mit den Worten &#8222;<em>Ah, das wollt ihr. Ne, nicht machbar!<\/em>&#8220; abbrechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Feedback am 9.04 zum Expos\u00e9 war auch \u00fcberraschend und h\u00e4tte meine Alarmglocken schrillen lassen sollen. Hat es auch, war aber schon zu sp\u00e4t. R\u00fccktrittsfrist war ja schon vor Abgabe des Expos\u00e9s. Abgabe der Seminararbeit: 31.05.<\/p>\n<p><strong>Expos\u00e9<\/strong><\/p>\n<p>Im Expose erwartet wird u. a. nicht nur die Beschreibung des Aufbaus der Seminararbeit, ich hielt mich hier praktisch 1:1 an die Aufgabenbeschreibung, sondern auch ein <strong>Literaturverzeichnis.<\/strong><\/p>\n<p>D. h. innerhalb von zwei Wochen m\u00fcsste man sich durch den englischsprachigen Forschungsbeitrag k\u00e4mpfen, die die Fachliteratur sortieren, sie besorgen, querlesen und das Expos\u00e9 schreiben. Bereits das Besorgen stellt sich als umst\u00e4ndlich heraus. Durch den Streit der Unis mit Elsevier hat man kaum elektronischen Zugriff auf Publikationen. Sogar der Forschungsbeitrag selbst war nicht online abrufbar. Ich musste einen Auftrag bei der Unibibliothek einstellen, der Beitrag wurde gescannt und mir 4 Tage sp\u00e4ter (6.04) f\u00fcr 1,50 EUR als PDF zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Ab hier waren es 13 Tage f\u00fcr \u00dcbersetzung und Sichtung der Literatur. H\u00e4tte ich am 29.03 bereits die vollst\u00e4ndige Literatur beisammen, w\u00e4re ein Expos\u00e9 mit Literaturangaben bis zum 19.04 vielleicht machbar. Zumindest f\u00fcr einen Vollzeitstudenten. Denn welche Literatur relevant ist, kann ich erst feststellen, wenn ich den Beitrag zumindest gelesen und verstanden habe.<\/p>\n<p>Also ging das Expos\u00e9 ohne Literaturangaben an den Lehrstuhl. Beim Feedback (vorab wurde am Telefon erw\u00e4hnt, dass das Gespr\u00e4ch nicht aufgezeichnet werden darf, aber Notizen erlaubt sind) gab es daher auch ein &#8222;<em>H\u00e4tten Sie mir die Literatur genannt, die sie verwenden wollen, h\u00e4tte ich ihnen davon abgeraten<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Wie gesagt: \u00dcbersetzung, Erarbeitung, Bestellung von Publikationen, Sichtung, innerhalb von 2,5 Wochen ist, meiner Meinung nach, nicht m\u00f6glich. Da aber wohl einige Studenten das Seminar durchaus bestehen, ist meine Meinung hier nicht ausschlaggebend. Mich w\u00fcrde aber der Prozentsatz interessieren. Denn es waren ~30-40 Leute in dem Webinar und die Finalisten d\u00fcrfen im Recall an den 2 Tagen in Hagen ihre Ergebnisse pr\u00e4sentieren. Dass das nicht mit 40 Leuten &#8211; ca. 30 Minuten Pr\u00e4sentationszeit pro Person inkl. Fragen &#8211; zu machen ist, ist simple Mathematik. Es <strong>m\u00fcssen<\/strong> also einige durchfallen.<\/p>\n<p><strong>Seminararbeit<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich auf Feedback f\u00fcr das Expos\u00e9 wartete, k\u00fcmmerte ich mich um die Literatur. google scholar, google books, lokale Uni-Bibliothek. Gro\u00dfer Fehler im Nachhinein. F\u00fcr 20 Seiten Seminararbeit habe ich 60 Quellen zitiert, mehrheitlich Fachliteratur, anschlie\u00dfend wissenschaftliche Publikationen, die (nur) online ver\u00f6ffentlichten Standards, zwei Standardwerke anderer Fachgebiete au\u00dferhalb der Wirtschaftsinformatik, eine Masterthesis und eine Definition aus dem Vorlesungsskript meiner Professorin, Frau Prof. Ulrike Baum\u00f6l*.<\/p>\n<p>Fachfremde Literatur nur f\u00fcr die Definition des Begriffs <em>Experiment<\/em> im Rahmen der Experimentalforschung. Denn die Forschungsart ist grunds\u00e4tzlich fach\u00fcbergreifend gleich. Ein Standardwerk eines anderen Fachgebiets f\u00fcr eine fach\u00fcbergreifende Begriffsdefinition zu zitieren, da habe ich mir nichts weiter bei gedacht.<\/p>\n<p>Mein Thema war Businessprozessmodellierung und so baute ich meine Seminararbeit um das Thema herum auf:<\/p>\n<ol>\n<li>Grundlagen:\n<ol>\n<li>von was handelt der Beitrag, was sind Prozesse, was Gesch\u00e4ftsprozesse: 2 Seiten<\/li>\n<li>Andere Notationsformen: 2 Seiten<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Motivation f\u00fcr den Beitrag: 2 Seiten<\/li>\n<li>Forschungsmethode und Versuchsaufbau: 6 Seiten<\/li>\n<li>Ergebnisse: 4 Seiten<\/li>\n<li>Kontext: 2 Seiten<\/li>\n<li>Eigene Einsch\u00e4tzung: 2 Seiten<\/li>\n<\/ol>\n<p>Grunds\u00e4tzlich war der Aufbau der Arbeit \u00e4hnlich meiner Bachelor-Thesis. Wenn ich eine gute Note f\u00fcr die Thesis erhalten habe, wird das bei der Seminararbeit wohl auch OK sein. Dachte ich. Falsch.<\/p>\n<p><strong>Feedback zur 5.0<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Zu viel Praxislekt\u00fcre. Es sollen vorwiegend wissenschaftliche Publikationen verwendet werden, keine ver\u00f6ffentlichten B\u00fccher.<\/li>\n<li>Masterarbeiten und Kurseinheiten von Prof. d\u00fcrfen nicht zitiert werden. Auf den Einwand, dass es sich doch bei beiden um wissenschaftliche Arbeiten handelt, wurde nicht eingegangen.<\/li>\n<li>Literatur au\u00dferhalb des Forschungszweigs der Wirtschaftsinformatik soll nicht benutzt werden (Anspielung auf die Definition des Begriffs &#8222;Experiment&#8220;, welches aus einem Standardwerk f\u00fcr Kriminologie-Studenten zum Thema Forschungsmethoden stammt)<\/li>\n<li>Das Wort &#8222;verwunderlich&#8220; (Kontext: &#8222;Dass die Testgruppen &#8230; profitieren, ist nicht verwunderlich&#8220;) ist Umgangssprache und sollte nicht verwendet werden.<\/li>\n<li>Kein Abk\u00fcrzungsverzeichnis, auch wenn die Abk\u00fcrzungen das erste Mal im Text ausgeschrieben wurden. Zudem beinhaltete die Vorlage des Lehrstuhls f\u00fcr die Seminararbeit selbst kein Abk\u00fcrzungsverzeichnis.<\/li>\n<li>Zu viele Auflistungen (4 an der Zahl, 3 Auflistungen zum Aufzeigen der Reihenfolge)<\/li>\n<li>Zwei Quellen im Literaturverzeichnis, die nicht zitiert wurden (Fehler in Tex mit \\nocite{*})<\/li>\n<li>Einordnung des Beitrags in den Kontext nicht erfolgt. Ich habe mehrheitlich zitierte Literatur im Forschungsbeitrag angef\u00fchrt. Tats\u00e4chlich habe ich das. Denn die Forscher haben in ihrem Beitrag einen Abschnitt &#8222;Context&#8220;, der ~30 Publikationen anf\u00fchrt und ihre Thesen zusammenfasst. Davon habe ich die ca. 10 wichtigsten ausgew\u00e4hlt, die noch einmal hevorgehoben und 9 Beitr\u00e4ge die vor und nach dem Beitrag entstanden (und ihn ggf. zitieren) angef\u00fchrt.<\/li>\n<li>Absatz &#8222;Hochschulstudenten sollten mit durch ihr Studium mit komplexer, textueller Repr\u00e4sentation von Informationen vertraut sein&#8220; ohne zitierf\u00e4higen Beleg. Dass sich die Tatsache mit gesundem Menschenverstand erschlie\u00dft, war irrelevant. Absatz ohne Beleg = Behauptung.<\/li>\n<li>Gegen\u00fcberstellung von &#8222;Prozess&#8220; und &#8222;Gesch\u00e4ftsprozess&#8220; zur Abgrenzung auf einer Seite war nicht notwendig. Erw\u00e4hnung von weiteren Darstellungsmethoden, obwohl darauf hingewiesen wurde, dass diese letztendlich durch Standardisierungsbem\u00fchungen zu der finalen f\u00fchrten war ebenfalls nicht notwendig. Hingegen sollten mindestens drei Definitionen von &#8222;Gesch\u00e4ftsprozess&#8220; dargestellt werden. Dass Prof. Baum\u00f6l das gemacht hat und ich ihre finale Version zitiert habe, was nicht relevant.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Jeglicher Einwand wurde final mit den Worten &#8222;Andere Kursteilnehmer haben bestanden, also ist das offensichtlich m\u00f6glich!&#8220; abgekanzelt. Eine Argumentation dagegen ist nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ich muss sagen, dass die Seminararbeit f\u00fcr mich vom zeitlichen Aufwand sehr hoch war. Der getrieben Aufwand rechtfertigt keinesfalls die Note. Meinem Gef\u00fchl nach wird weniger auf das Ergebnis Wert gelegt, als auf die Form. Denn ob mein Verst\u00e4ndnis des Forschungsbeitrags oder die Einsch\u00e4tzung der Ergebnisse korrekt waren, spielte keine Rolle und wurde auch mit keinem Wort erw\u00e4hnt. Alleine der Umstand, dass ich weder eine Master-Thesis, noch die Aussagen meiner eigenen Professorin in einer Seminararbeit zitieren darf, war f\u00fcr mich schon schwer nachzuvollziehen.<\/p>\n<p>Aus der Informatik bin eine eher ergebnisorientierte Herangehensweise gewohnt. Results matter. Es ist <em>1+1=2<\/em> und es muss nicht <em>1+1=2 [vgl. Adam Ries, 1501, S. 2]<\/em> lauten. Und wenn der Verfasser eines Standardwerks zur Kriminologie die Pr\u00e4gnanteste Definition eines Experiments ver\u00f6ffentlicht hat, dann der Blick \u00fcber den Tellerrand OK und ich muss nicht zwingend innerhalb meines eigenen Tellers Runden drehen.<\/p>\n<p>Zudem ist der Terminplan sehr, sehr eng. Leider gibt es hierzu vorab keine Informationen. W\u00fcsste ich um die Literaturanforderungen und den Zeitplan (der nicht auf TZ-Studenten ausgelegt ist), so h\u00e4tte mich mich evtl. anders entschieden. Es w\u00e4re zumindest sch\u00f6n gewesen, wenn man wenigstens ein Beispiel f\u00fcr ein Expos\u00e9 oder eine gelungene Seminararbeit bekommen h\u00e4tte, um zumindest einen roten Faden zu haben. So hatte das aber eher was von Gl\u00fccksspiel, ob man am Ende den Erwartungen des Lehrstuhls gerecht wird, oder nicht.<\/p>\n<p>Die Bewertungskriterien sind in solchen F\u00e4llen oft subjektiv. Werden WiWi-Klausuren oft nach dem Schl\u00fcsselwort-Muster korrigiert, so f\u00e4llt diese Variante bei einer Seminararbeit weg. Grunds\u00e4tzlich habe ich hier klassisch einem &#8222;Thema verfehlt&#8220; erlegen zu sein.<\/p>\n<p>Ich hatte ja schon mehrfach erw\u00e4hnt, dass ich meine Entscheidung den Master in der Wirtschaftsinformatik zu machen bereut habe. Informatik hatte nur leider zu wenig spannende Module im Master, so dass eine zun\u00e4chst eindeutige Wahl am Ende keine sehr gute war.<\/p>\n<p>In jedem Fall: Satz mit X und mein erstes &#8222;nicht bestanden&#8220; im Leistungsbogen.<\/p>\n<p>Vielleicht hilft euch die Auflistung etwas, den Schwerpunkt f\u00fcr eure Seminararbeit richtig(er) zu setzen. Ich h\u00e4nge an den Beitrag mal meine 5.0-Seminararbeit an. Sie ist vom Lehrstuhl ja verworfen worden und der lizenzpflichtige Forschungsbeitrag ist nicht inkludiert. Dann seht Ihr zumindest, wie man es <strong>nicht<\/strong> macht.<\/p>\n<p>Viel Erfolg bei eurem Seminar, bzw. Fachpraktikum.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/fernuni.digreb.net\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/main.pdf\">Seminararbeit WiWi<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich studiere nun schon seit 8 Jahren. Zuerst den Bachelor Informatik, nun bin ich auf der Zielgeraden f\u00fcr den Master in Wirtschaftsinformatik. 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